KIRKE Antike-Lexikon für Schule und Studium: A Telemachos
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→ Titus Pomponius Atticus wurde 110 v.Chr. in Rom als Sohn eines vermögenden und gebildeten Ritters geboren und starb 32 v. Chr. nach schwerer Krankheit. Er strebte nie ein politisches Amt an, sondern pflegte als Anhänger der epikuräischen Philosophie (→ Epikur) Freundschaften (→ amicitia) zu zahlreichen Persönlichkeiten seiner Zeit; hier sind vor allem Lucius Manlius Torquatus, → Marcus Tullius Cicero, der jüngere Gaius Marius, → Gnaeus Pompeius und → Gaius Iulius Caesar zu nennen. Atticus war ein Freund der Kunst und der Wissenschaften und achtete als Geschäftsmann auf Mehrung seines Besitzes. Während der Herrschaft → Sullas verließ Atticus 86 Rom und hielt sich längere Zeit in Athen auf, eine Stadt, die er dank seines großen Vermögens fördern konnte und daher den Beinamen Atticus erhielt, wie auch andere berühmte Persönlichkeiten (Tiberius Claudius Atticus Herodes, die Rhetoren Antonius Atticus, Vipsanius Atticus und Censorius Atticus). Intensiv beschäftigte sich Atticus mit griechischer Literatur und Sprache. Sein Biograph → Cornelius Nepos schreibt dazu (Atticus 4, 1): sic enim Graece loquebatur, ut Athenis natus videretur (denn er sprach Griechisch derart, dass er in Athen geboren zu sein schien). Das von den Athenern angebotene Bürgerrecht lehnte er ab, einerseits aus Furcht, das römische zu verlieren, andererseits weil er die Auffassung vertrat, niemand könne in zwei Staaten zugleich Bürger sein, so wie es Cicero in seinen Reden formuliert hat (Pro Caecina 34). Nach zwanzig Jahren kehrte Atticus um 68 nach Rom zurück und engagierte sich ausnahmsweise während der → Catilinarischen Verschwörung für die Politik, indem er als Anführer der Ritter den Senat und Ciceros Maßnahmen unterstützte. Immer wieder hielt er sich im griechischen Sprachraum auf. Aufgrund zahlreicher Briefe Ciceros an Atticus sind wir sehr gut über viele Details dieses Griechenfreundes informiert; manchmal vertrat Atticus andere politische Ansichten als Cicero, so etwa in der Einschätzung von Octavian, dem späteren Kaiser → Augustus, und → Antonius. Während Atticus vor Octavian warnte, hielt Cicero ihn für den Retter des Staates. Wenn sich Atticus auch durch zahlreiche römische Tugenden (→ virtutes) auszeichnete Sparsamkeit, Einfachheit in der Lebensführung, Erwerbssinn usw. so kann er insofern nicht als typischer Römer gelten, als er sich in politischen Dingen größte Zurückhaltung auferlegte. Dieses Verhalten hielt man ihm bisweilen vor, aber es entspricht der Lehre Epikurs, der zufolge keiner der Werte absolute Gültigkeit besitzt. Literarisch lebt er in den Briefen Ciceros sowie in der Atticus-Vita des Nepos weiter.

ds
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